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Sérénade pour l’Orphée

für Orchester (2000)

 

Orchesterbesetzung:

3(3.=Picc) 3(3.=Eh) 3(3.=Bkl) 3(3.=Kfg) - 4 3 3 1 - Pk, Schl(3), Str

 

Dauer: 15 min

 

UA 24.05.2001, Funkhaus Halberg, Saarbrücken

RSO Saarbrücken Ltg.: Andrea Pestalozza

Werkkommentar:

„Sérenade pour l’Orphée“ – der Titel weckt Erwartungen möglicherweise romantischer Art, etwa nach einer Klangdichtung im lisztschen Tonfall. Es mag sich zeigen, daß der Titel mit dem Stück genauso locker assoziativ verbunden ist wie die beiden Bestandteile des Titels untereinander. Warum nun also eine Serenade für einen antiken Sängergott?

Die „zündende“ Klangidee für das Stück kam mir zuerst bei der Komposition der Musik zu einem Orpheus-Stoff: Lang ausgehaltene Töne der gedämpften Trompeten, die sich nur langsam verändern, dazu Xylophontremolo. Die Erstarrung in Schrecken und Trauer über den zweimaligen Verlust Eurydikes…

In dem Orchesterstück löst sich diese Erstarrung schließlich in verschiedene andere Klanggestalten auf, die sich aus dem Festhalten an einer Klangidee und durch Hinzufügungen und Wegnahmen aus ihr ergeben. Kein konstruktives System liegt dem zugrunde, sondern die Assoziationslogik, die Folgerichtigkeit der Unverbundenen erweist sich als der Strom, auf dem die Ereignisse treiben, von dem sie getrieben werden. Was da alles zunächst zaghaft herbeigetrieben wird, entlädt sich später in mehreren Ausbrüchen, um dann bekannten – am Beginn des Stücks bereits vernommenen – Gestalten Platz zu machen, in die aber Stabspiele und Woodblocks naturhafte, „pochende“ Klänge einstreuen. Vielleicht wieder eine Assoziationsmöglichkeit zu Orpheus: Der Sänger, dessen gesang die Bäume und Sträucher lauschen, den die Felsen und Flüsse betrauern, und der nach seinem Tod in die Natur zurückkehrt – zu Natur wird.

Der Maler Francis Bacon sagte: „Man versucht natürlich dauernd, die Vitalität des Zufalls zu bewahren und dennoch eine Kontinuität zu erhalten.“ Meine Arbeitshaltung ist vielleicht damit vergleichbar: Das unvorbereitete Komponieren „direkt am Klang“ führt zu einer Unorhersehbarkeit der klanglichen Ereignisse im Detail, die die Spannung des Verlaufs ausmacht. Da solche Setzungen aber immer einem – möglicherweise unbewußten – Formempfinden unterworfen sind, ergibt sich dabei eine – wie auch immer geartete – Gesamtform.

Anno Schreier, 2001

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