Der Anfang

für gemischten Chor und Orchester nach einem Text aus der Rigveda (2019)

Kompositionsauftrag des Theaters Aachen und des Sinfonischen Chores Aachen

zum 200. Geburtstag des Sinfonischen Chores Aachen

Orchesterbesetzung:

3(3=Picc.) 2 2 3(3.=Kfg) - 4 2 3 0 - Pk, Schl(1), Str

Dauer: 10 min

UA 17./18.05.2020, Eurogress Aachen

Sinfonieorchester Aachen

Sinfonischer Chor Aachen, Opernchor Aachen

Choreinstudierung: Jori Klomp

Leitung: Christopher Ward

Werkkommentar:

Im Vorfeld der Arbeit an meinem Stück "Der Anfang" zum 200. Geburtstag des Sinfonischen Chores Aachen habe ich mich nochmal intensiv mit der 9. Sinfonie von Beethoven beschäftigt. Mich hat besonders die Stelle im letzten Satz fasziniert, wo vom „Sternenzelt“ die Rede ist. In einer ihresgleichen suchenden Radikalität thematisiert Beethoven hier die Frage, ob da wirklich ein Schöpfer „über Sternen“ wohnt, und lässt das Ganze in einem klanglich äußerst kühnen „Sternenakkord“ kulminieren.

Für mein Stück habe ich einen Text aus der uralten indischen Sammlung Rigveda (in der deutschen Übersetzung von Karl Friedrich Geldner) ausgewählt, in dem es ebenfalls um die Frage nach dem Schöpfer geht. Im Unterschied zu Schillers geradezu forderndem Satz „Über Sternen muss er wohnen“ schließt der Rigveda-Text eher zweifelnd mit der Vermutung, dass der Schöpfer (wenn es ihn denn gibt) vielleicht selbst gar nicht so genau weiß, wie die Welt überhaupt entstanden ist.

Natürlich kommt Beethovens „Sternenakkord“ in meinem Stück auch vor, allerdings erst gegen Ende. Eine weitere Anregung waren für mich englische Künstler aus der Electronic Dance Music der frühen 90er Jahre wie „The Orb“ oder „Orbital“, die auch einen Bezug zur Astronomie im Namen tragen – obwohl hier mit „Orbit“ eigentlich eine Londoner Autobahn gemeint ist. Ich finde es ja immer interessant, Verbindungen zwischen weit entfernten Dingen herzustellen, und so habe ich versucht, die meditative Stimmung und die Breakbeats aus der Ambient-House-Musik mit Beethoven und der Rigveda zusammenzubringen.

Erstaunlicherweise spielen zwei Hörner in Beethovens „Sternenakkord“ genau die selben Noten, die sie auch ganz am Anfang der 9. Sinfonie spielen – die berühmte leere Quinte. So konnte ich von meiner Version des „Sternenakkordes“ gut zum Anfang der Beethoven-Sinfonie überleiten, so dass mein Stück als Prolog ohne Unterbrechung vor der Sinfonie gespielt werden kann.

Anno Schreier, 2019